Rob Will wurde im Januar 2002, im Alter von 23 Jahren, wegen des Mordes an einem Polizisten im Dezember 2000 zum Tode verurteilt. Seitdem sitzt er im Todestrakt der Polunsky Unit in Livingston, Texas, ein. Rob hat seine Unschuld immer und auch glaubhaft versichern können.
Um seine Seele so gut wie möglich im Gleichgewicht halten zu können, nutzt Rob auch die Kunst. Dabei arbeitet er sehr experimentell und bringt seine Gedanken, Wünsche, Ängste und Träume sehr vielseitig, mal impulsiv, mal kontrolliert bedacht zum Ausdruck. Rob schöpft das Wenige, was ihm im Todestrakt an Materialien und Inspiration überhaupt zur Verfügung steht, voll aus, um seine Bilder zu schaffen, denn der zu kaufende Kunstbedarf ist gering und von mangelnder Qualität. Daher stellt Rob häufig Farben, Malgründe und Pinsel selbst her. Die Not macht hier erfinderisch.
So findet sich die präzise Kugelschreiberzeichnung eines Adlers, als ein Symbol für Freiheit, auf einer Landkarte wieder, die ihm Freunde als Briefrückseite haben zukommen lassen.
Eines von Rob Wills Hauptwerken, „The Book Of The Damned“ (vgl. Abbildung rechts), überrascht durch seine Vielschichtigkeit und zeigt Robs Erfindungsgeist. Gemalt ist es auf einer Papiertüte, die er zunächst aufwändig präpariert hat, indem er sie immer wieder zerknittert und glattgestrichen hat, um sie geschmeidig zu machen. Grundiert hat er seine „Leinwand“, indem er die Tüte auf die Platten seines Metallbunkers geklebt und selbstgemachte Farbe in verschiedenen Schichten darauf gestrichen hat. Auch das Bemalen einer so großen Fläche stellt vor Herausforderungen in einer 5 qm kleinen Zelle und angesichts eines Schreibtisches in DinA3-Format. Das besonders Interessante an diesem Bild sind die roten Punkte auf ihm. Sieht der Betrachter genau hin, wird er rote Stücke aufgeklebten Plastiks erkennen. Das sind Stücke von zerplatzten Kampfabwehrgas-Projektilen, die Rob aufgesammelt hat, nachdem man ein halbautomatisches Sturmgewehr eingesetzt hatte.
Rob ist zertifizierter Yogameister und beschäftigt sich sehr viel mit Philosophie, Psychologie und Sozialpolitik und ist ein großer Verehrer Nietzsches. Rob schreibt regelmäßig Updates für die Öffentlichkeit, teilt mit ihr seine Gedanken zum globalen und zeitaktuellen Geschehen mit und schildert die Lebensbedingungen im Todestrakt. Auch diese handgeschriebenen Updates sollen Teil der Kunstausstellung werden. Rob ist ein sehr aktiver Mensch, der sich permanent in friedlichen Protesten, wie Hunger-und/oder Sitzstreiks, gegen die Lebensbedingungen im Todestrakt oder anstehende Hinrichtungen engagiert und dafür regelmäßig mit z.B. Tränengas ruhig gestellt werden soll und immer wieder in verschiedene Disziplinarstatus verwiesen wird, was die ohnehin repressiven Lebensbedingungen noch mehr erschwert.
Erstmals sollen seine jungen Arbeiten nun in Deutschland, im Kukuun in Hamburg, gezeigt werden und dem Besucher Einblicke in das Leben als Todestraktinsasse und das Innenleben von Rob Will geben.
Ausstellungsdaten auf einen Blick: Vernissage:
Fr. 27.01.2012 | 19:30 Uhr
Ausstellungsdauer bis 10.02.2012
Öffnungszeiten: Do – Sa ab 20:00 Uhr
Ort: kukuun – Spielbudenplatz 22 – 1. OG St Pauli
www.kukuun.wordpress.com www.freerobwill.org | www.robwilldeutschland.blogspot.com | www.drivemovement.org Kontakt: Susan Nowacki robwilldeutschland@gmail.com oder unter 0160-7280782